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Honoraranreize durch das TSVG




Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) ist heute verkündet worden und tritt morgen, am 11.05.2019, in Kraft. Neben Verpflichtungen, insbesondere der viel diskutierten Erhöhung der Sprechstundenzahl von 20 Stunden auf 25 Stunden wöchentlich im Rahmen eines vollen Versorgungsauftrages, enthält das TSVG auch einige Honoraranreize, die es zu erkennen und zu nutzen gilt. Einige dieser Regelungen gelten unmittelbar ab Inkrafttreten des Gesetzes, andere müssen noch im Detail ausgestaltet werden und sollen dann im September Wirkung entfalten.

Autorin Sophie A. Eickhoff
Rechtsanwältin
Sophie A. Eickhoff


1.
Ab Anfang Mai erhalten Ärzte und Psychotherapeuten die Leistungen eines Behandlungsfalles, der aufgrund der Terminvermittlung zustande gekommen ist, extrabudgetär vergütet. In einem solchen Behandlungsfall ist lediglich auf dem Überweisungs- oder Originalschein zu kennzeichnen, dass es sich um die Vermittlungsart „TSS-Terminfall“ handelt.

Es bietet sich daher an, freie Termine an die Terminservicestellen zu übermitteln, um so möglichst viele extrabudgetär vergütete Behandlungsfälle zu schaffen.

2.
Ab 01.09.2019 wird zusätzlich zu der extrabudgetären Vergütung ein Zuschlag auf die Grund- bzw. Versichertenpauschale gewährt, der ebenfalls extrabudgetär vergütet wird. Die Höhe der Zuschläge richtet sich nach der Wartezeit; je schneller ein Termin vergeben wird, desto höher ist der Zuschlag. Die Zuschläge bewegen sich zwischen 20 % und 50 %.

Die entsprechenden EBM-Ziffern müssen noch geschaffen werden, sollen aber rechtzeitig zur Verfügung stehen und veröffentlicht werden.

3.
Auch die Vermittlung von dringend erforderlichen Behandlungsterminen durch den Hausarzt an den Facharzt wird bereits mit Inkrafttreten des TSVG honoriert werden: Ab Anfang Mai, also ab Inkrafttreten des TSVG, erhalten weiterbehandelnde Ärzte die Leistungen in einem solchen vermittelten Behandlungsfall extrabudgetär und damit voll vergütet. Auf dem Überweisungsschein des Hausarztes ist dann „HA-Vermittlungsfall“ anzugeben, um der KV solche Fälle kenntlich zu machen.

Ebenfalls ab dem 01.09.2019 sollen Haus-, Kinder- und Jugendärzte für die Vermittlung eines solchen Termins 10,00 € extrabudgetär erhalten. Diese Regelung bedarf jedoch noch der genaueren Ausgestaltung.

4.
Ab 01.09.2019 sollen wohnortnahe - und grundversorgende Fachärzte 5 Stunden pro Wochen als offene Sprechstunde ohne vorherige Terminvereinbarung anbieten. Hausärzte sind hiervon nicht umfasst; welche Fachgruppen hierzu gehören, legen die Partner des Bundesmantelvertrages noch fest.

Alle Leistungen in dieser offenen Sprechstunde sollen extrabudgetär vergütet werden. Genauere Details werden noch im Laufe des Jahres bekanntgegeben.

5.
Auch die Behandlung neuer Patienten soll ab 01.09.2019 besonders gefördert werden. Sucht ein Patient erstmals oder nach einem Zeitraum von mindestens zwei Jahren eine Praxis auf, sollen alle Leistungen in diesem Behandlungsfall extrabudgetär vergütet werden. Welche Fachgruppen von dieser Regelung betroffen sein werden, ist noch nicht bekannt. Die KBV und Krankenkassen werden dies nach Inkrafttreten des Gesetzes festlegen. Es lohnt sich sicherlich, diesen Honoraranreiz weiter im Auge zu behalten.

Das TSVG bringt interessante Neuerungen und Honoraranreize. Werden diese rechtzeitig erkannt und die Terminvergabe in der Praxis entsprechend angepasst, kann durch geschicktes Terminieren zusätzliches Honorar erwirtschaftet werden.