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Arbeitshilfe Zusammenfassung der Anpassungen der KV - Abrechnung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie


Aus Anlass der Corona-Pandemie stellen wir nachfolgend eine Übersicht der abrechnungsrelevanten Anpassungen als Arbeitshilfe für Vertragsärztinnen und Vertragsärzte bereit, um Ihnen die Orientierung zu erleichtern. Die Aufstellung ist keineswegs abschließend, da die Gremien der gemeinsamen Selbstverwaltung auch auf Landesebene Anpassungen vornehmen, über die jedoch die betroffenen Ärztinnen und Ärzte in den jeweiligen Rundschreiben und Veröffentlichungsmedien direkt informiert werden. Da die Pandemie auch eine Herausforderung für die ärztliche und die gemeinsame Selbstverwaltung darstellt, können Fehler bei der verwaltungstechnischen Anwendung nicht ausgeschlossen werden. Es ist daher empfehlenswert, die richtige Umsetzung in den Honorarbescheiden zu kontrollieren und nötigenfalls Widerspruch zu erheben, um die erforderlichen Korrekturen herbeizuführen.

Für Fragen der Vertragsärztinnen und Vertragsärzte zur Erbringung und Abrechnung von vertragsärztlichen Leistungen stehen Ihnen die Anwältinnen und Anwälte unserer Sozietät auch in dieser schwierigen Zeit jederzeit zur Verfügung.


Autorin Sophie A. Eickhoff
Rechtsanwältin
Sophie A. Eickhoff

1. DMP
Kontrolluntersuchungen für chronisch Kranke dürfen ausfallen
(https://www.kbv.de/html/1150_45548.php)

08.04.2020 -. Die vorgeschriebenen quartalsbezogenen Kontrolluntersuchungen in den Disease-Management-Programmen dürfen ausfallen, wenn es medizinisch vertretbar ist. Auch Schulungen können verschoben werden.

Keine Dokumentationspflicht bis Ende September 2020

Der G-BA hat deshalb die DMP-Dokumentationspflicht und die Verpflichtung der Versicherten zur Teilnahme an empfohlenen Schulungen für das erste bis dritte Quartal 2020 ausgesetzt. Koordinierende Ärzte können somit selbst entscheiden, was für ihre Patienten in der aktuellen Situation am besten ist. So kann es im Einzelfall durchaus notwendig sein, dass die Kontrolluntersuchung oder die Schulung durchgeführt werden. In diesen Fällen erfolgt auch die Dokumentation der Untersuchung. Wenn möglich, kann die DMP- Dokumentation auch auf Basis einer telemedizinischen DMP-Konsultation erfolgen.

2. Verordnungen
SAPV-Folgeverordnung nach telefonischer Anamnese und auch hier Portoerstattung
(https://www.kbv.de/html/1150_45515.php)

07.04.2020 - Ärzte können vorübergehend auch Folgeverordnungen für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung, kurz SAPV, nach telefonischer Anamnese ausstellen und per Post an den Versicherten schicken. Sie bekommen auch in diesen Fällen die Versandkosten in Höhe von 90 Cent erstattet.

Auch für Wiederholungsrezepte für Kontrazeptiva und Überweisungsscheine im Zusammenhang mit der Empfängnisregelung brauchen Patientinnen nicht extra in die Arztpraxis zu gehen. Ärzte können diese Formulare zusenden. Der Bewertungsausschuss hat festgelegt, dass die GOP 40122 übergangsweise neben der GOP 01820 (11 Punkte / 1,21 Euro) abgerechnet werden darf.

In allen Fällen ist die Zusendung per Post nur möglich, wenn der Patient bei dem Arzt in Behandlung ist. In diesem Fall muss nicht die elektronische Gesundheitskarte eingelesen werden: Ärzte dürfen die Versichertendaten aus der Patientenakte übernehmen.

In diesen Fällen dürfen Folgeverordnungen auch nach telefonischer Anamnese ausgestellt und postalisch an den Versicherten übermittelt werden:
  • Häusliche Krankenpflege: alle Folgeverordnungen
  • Heilmittel: alle Folgeverordnungen und alle Verordnungen außerhalb des Regelfalls
  • Hilfsmittel: Folgeverordnungen zum Verbrauch bestimmter Hilfsmittel, zum Beispiel Stomabeutel oder Produkte zur Inkontinenzversorgung
  • Krankenbeförderung: alle Verordnungen von Krankenfahrten und Krankentransporten (gilt nicht nur für Folgeverordnungen und auch aufgrund von bisher noch nicht behandelten Erkrankungen)
  • Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV): alle Folgeverordnungen

Die Regelung gilt bis: 31. Mai 2020

3. Portokostenerstattung

In diesen Fällen werden die Versandkosten erstattet:
  • AU-Bescheinigungen
  • Folgeverordnungen für Arznei- und Verbandmittel (einschließlich BtM-Rezepte)
  • Folgeverordnungen für häusliche Krankenpflege (Muster 12)
  • Folgeverordnungen für Heilmittel einschließlich Verordnungen außerhalb des Regelfalls (Muster 13 Physiotherapie und Podologie, Muster 14 Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie, Muster 18 Ergotherapie und Ernährungstherapie).
  • Folgeverordnungen für Hilfsmittel (Muster 16; gilt somit nicht für Sehhilfen und Hörhilfen)
  • Folgeverordnungen für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV, Muster 63)
  • Überweisungen (Muster 6 und 10)
  • Verordnung einer Krankenbeförderung (Muster 4)

Psychotherapeuten dürfen von den genannten Formularen nur die Verordnung einer Krankenbeförderung (Muster 4) ausfüllen.

Die Versandkosten werden mit der GOP 40122 abgerechnet und mit 90 Cent vergütet.

Die Regelung gilt bis: 30. Juni 2020

Die Abrechnung des Portos ist vorübergehend auch neben der GOP 01430 für den sogenannten Verwaltungskomplex und neben der GOP 01435 für die Bereitschaftspauschale berechnungsfähig. Konkret heißt das für die Praxis: Auch wenn ein Patient am Praxistelefon mit dem medizinischen Personal gesprochen hat, nicht aber mit dem Arzt selbst, darf dieser das Porto für die Rezeptzusendung abrechnen. Voraussetzung für jede Zusendung ist, dass der Patient bei dem Arzt in Behandlung ist.

4. Telefonkontakte / Videosprechstunde
Reine Telefonkonsultation fließt nicht ins Gesprächsbudget
(https://www.kbv.de/html/1150_45493.php)

Die telefonische Beratung ist normalerweise Teil der Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale. Wegen des hohen Bedarfs an Gesprächsleistungen infolge der Corona-Krise können neben den Psychotherapeuten unter anderem auch Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte die neue Telefonkonsultation abrechnen, wenn der Patient in die Praxis kommt oder eine Videosprechstunde erfolgt und im Arztfall die Versichertenpauschale berechnet wird. Nur in diesem Fall fließt die telefonische Beratung (GOP 01434) in das hausärztliche Budget für die Gesprächsleistungen (GOP 03230, 04230, 04231) ein. Bleibt es hingegen beim telefonischen Kontakt, wird das Budget nicht belastet.

» siehe auch die Anlage Telefonsprechstunde

Mehr Konsultationen ab sofort auch per Telefon möglich
(https://www.kbv.de/html/1150_45429.php)

03.04.2020 - Nach der Vereinbarung können Ärzte und Psychotherapeuten in diesem Quartal Telefonkonsultationen von bis zu drei Stunden und 20 Minuten pro Patient abrechnen - zusätzlich zu der Gebührenordnungsposition (GOP) 01435 (88 Punkte / 9,67 Euro) für die telefonische Beratung.

Zur Abrechnung werden die GOP 01433 (154 Punkte / 16,92 Euro) und die GOP 01434 (65 Punkte / 7,14 Euro) neu in den EBM aufgenommen. Sie werden jeweils als Zuschlag für die telefonische Beratung durch den Arzt in Zusammenhang mit einer Erkrankung gezahlt

Möglich ist die telefonische Konsultation aber nur bei Patienten, die der Arzt oder Psychotherapeuten bereits kennt. Als „bekannt“ gilt ein Patient, wenn er in den letzten sechs Quartalen, die dem Quartal der Konsultation vorausgehen, mindestens einmal in der Praxis war.

Heilmittelverordnung: Therapie auch per Video
(https://www.kbv.de/html/1150_45428.php)

03.04.2020 - Heilmittel wie Krankengymnastik oder Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie können auch per Video von Therapeuten durchgeführt werden. Ärzte verordnen sämtliche Heilmittel wie gewohnt auf den Formularen 13, 14 oder 18 – je nachdem, welche Maßnahme für den Patienten medizinisch notwendig ist.

Sollten Korrekturen auf den ausgestellten Heilmittelverordnungen notwendig sein, sollen Heilmitteltherapeuten Änderungen oder Ergänzungen auf der Verordnung selbst vornehmen können, ohne dafür eine erneute Unterschrift einholen zu müssen. Ausnahmen sind die Angaben zum Heilmittel und zur Verordnungsmenge. Für Änderungen dieser Angaben ist weiterhin die Arztunterschrift mit Datumsangabe notwendig.

Diese Empfehlungen und Regelungen der gesetzlichen Krankenkassen gelten für alle Behandlungen, die bis einschließlich 31. Mai 2020 durchgeführt werden

Sprechstunde und probatorische Sitzungen jetzt auch per Video
(https://www.kbv.de/html/1150_45109.php)

24.03.2020 - Grundsätzlich erfordert die Psychotherapeutische Sprechstunde weiterhin die Anwesenheit der Patienten: Insbesondere für Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung ist der unmittelbare persönliche Kontakt im Regelfall notwendig. Eine Psychotherapie kann im Einzelfall auch ohne persönlichen Kontakt zwischen Patient und Therapeut beginnen. Zur Umsetzung der Sonderregelungen wurde der EBM so angepasst, dass die entsprechenden Gebührenordnungspositionen bis zum 30. Juni auch abgerechnet werden dürfen, wenn die Leistungen in einer Videosprechstunde durchgeführt wurden

5. Umwandlung Gruppentherapie in Einzeltherapie
(https://www.kbv.de/html/1150_45109.php)

Genehmigte Leistungen einer Gruppenpsychotherapie können übergangsweise in Einzelpsychotherapie umgewandelt werden, ohne dass hierfür eine gesonderte Antragstellung bei der Krankenkasse oder Begutachtung erfolgen muss. Auch diese Regelung gilt bis 30. Juni. Die Umwandlung erfolgt über die „Therapieeinheit“ und muss lediglich formlos der Krankenkasse mitgeteilt werden (kein Formular notwendig). Für je eine Therapieeinheit genehmigte Gruppentherapie (entspricht einer Sitzung mit 100 Minuten) kann bei Bedarf maximal je Patient der Gruppe eine Einzeltherapie (entspricht einer Sitzung mit 50 Minuten) durchgeführt und abgerechnet werden.

6. Abrechnung Corona-Pateinten (AMG)
Zusätzliches Honorar für Corona-Patienten: Neues Verfahren zur Kennzeichnung der Leistungen ab 1. April.
(https://www.kbv.de/html/1150_45404.php)

Die Kennzeichnung erfolgt wie bisher mit der Ziffer 88240. Neu seit Quartalsbeginn ist: Der Arzt dokumentiert die Ziffer 88240 an allen Tagen, an denen er den Patienten wegen des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder wegen einer nachgewiesenen Infektion mit dem Coronavirus behandelt. Dann bekommt er alle an diesen Tagen für den Patienten abgerechneten Leistungen in voller Höhe extrabudgetär vergütet.

Ebenfalls extrabudgetär bezahlt wird die in diesem Quartal abgerechnete Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale, auch wenn sie nicht an diesem gekennzeichneten Tagen abgerechnet wurde. Dasselbe gilt für die Zusatzpauschale für Pneumologie (GOP 04530 und 13650) und die Zusatzpauschale fachinternistische Behandlung (GOP 13250). Auch diese Pauschalen werden von den Krankenkassen extra vergütet.

Bereits seit 1. Februar werden alle ärztlichen Leistungen, die aufgrund des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder einer nachgewiesenen Infektion erforderlich sind, in voller Höhe extrabudgetär bezahlt.

7. Abrechnung von U-Untersuchungen
(https://www.kbv.de/html/1150_45165.php)

25.03.2020 - Ärzte können Kinder-Früherkennungsuntersuchungen ab der U6 jetzt auch durchführen und abrechnen, wenn die vorgegebenen Untersuchungszeiträume und Toleranzzeiten überschritten sind.

8. Versichertenkarte

Möglich ist die telefonische Konsultation aber nur bei Patienten, die der Arzt oder Psychotherapeuten bereits kennt. Als „bekannt“ gilt ein Patient, wenn er in den letzten sechs Quartalen, die dem Quartal der Konsultation vorausgehen, mindestens einmal in der Praxis war.

Der Patient war mit seiner eGK in dem Quartal in der Praxis: Die Versichertendaten liegen bereits vor.

Der Patient ist der Praxis bekannt, war in dem Quartal aber nicht da: Die Praxis übernimmt die Versichertendaten aus der Patientenakte. „Bekannt“ heißt: Der Patient war in den zurückliegenden sechs Quartalen (01.10 2018 bis 31.03.2020) mindestens einmal in der Praxis.

Der Patient ist in der Praxis unbekannt. Das Praxispersonal erfragt am Telefon die Versichertendaten: Name des Versicherten /Wohnort des Versicherten (PLZ) / Geburtsdatum des Versicherten / Krankenkasse / Versichertenart (Mitglied, Familienversichert, Rentner)

9. AU
(https://www.kbv.de/html/1150_45078.php)

Vertragsärzte dürfen Patienten bis zu 14 Tage am Telefon krankschreiben. Voraussetzung ist, dass es sich um eine leichte Erkrankung der oberen Atemwege handelt. In solchen Fällen ist die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) auch möglich, wenn der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Alle Regelungen gelten auch für die Ausstellung einer ärztlichen Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei der Erkrankung eines Kindes.

Abrechnung über 01435 oder Grundpauschale je zzgl Porto

10. Ausgleichszahlungen
Für außerbudgetäre Leistungen § 87a Abs. 3b:

Mindert sich das Gesamthonorar eines vertragsärztlichen Leistungserbringers um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und ist diese Honorarminderung in einem Fallzahlrückgang in Folge einer Pandemie, Epidemie, Endemie, Naturkatastrophe oder eines anderen Großschadensereignisses begründet, kann die Kassenärztliche Vereinigung eine befristete Ausgleichszahlung an den vertragsärztlichen Leistungserbringer leisten. Die Ausgleichszahlung ist beschränkt auf Leistungen, die gemäß Absatz 3 Satz 5 und 6 außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung vergütet werden. Die Ausgleichszahlung ist in der Höhe zu mindern, in der der vertragsärztliche Leistungserbringer Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz oder finanzielle Hilfen aufgrund anderer Anspruchsgrundlagen erhält. Die Aufwendungen für die Ausgleichszahlungen sind der Kassenärztlichen Vereinigung durch die Krankenkassen zeitnah zu erstatten. Die Kassenärztliche Vereinigung hat den Krankenkassen die zur Erstattung notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen.

Bei Fallzahlminderung § 87b Abs. 2a:

Mindert sich in Folge einer Pandemie, Epidemie, Endemie, Naturkatastrophe oder eines anderen Großschadensereignisses die Fallzahl in einem die Fortführung der Arztpraxis gefährdenden Umfang, hat die Kassenärztliche Vereinigung im Benehmen mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen im Verteilungsmaßstab zeitnah geeignete Regelungen zur Fortführung der vertragsärztlichen Tätigkeit des Leistungserbringers vorzusehen.