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Existenzgründung Ärzte

Grundlagen der Kreditfinanzierung
Die Aufnahme einer selbstständigen ärztlichen Tätigkeit ist in der Regel mit Finanzbedarf verbunden. Das gilt für die Gründung einer Einzelpraxis ebenso wie für den Beitritt in eine Berufsausübungsgemeinschaft oder ein Medizinisches Versorgungszentrum. Dabei entspricht der Finanzbedarf in der Regel dem Kreditbedarf.

Der Finanzbedarf, der in einem Businessplan ausgewiesen wird, ist die Grundlage der Finanzierungsanfrage bei einem, ggf. auch bei mehreren Kreditinstituten.

Die Beantragung erfolgt vor Realisierung des Gründungsvorhabens. Hieraus ergibt sich eine chronologische Abfolge. Die Planung muss bei Beantragung von Kreditmitteln im Wesentlichen abgeschlossen sein, während die zur Existenzgründung erforderlichen Rechtsgeschäfte, also das Vertragswerk, zwar in allen Details verhandelt sein muss, aber rechtlich wirksam erst nach Sicherstellung einer Finanzierung abgeschlossen werden kann. Die verschiedenen Abläufe müssen daher inhaltlich wie auch zeitlich koordiniert werden, um Planungsfehler zu vermeiden.
Autor Matthias Hauer
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Medizinrecht
Matthias Hauer


Darlehensformen
Bei der Aufnahme von Existenzgründungsdarlehen, bzw. Investitionskrediten im Allgemeinen kann man zwei Grundformen unterscheiden,
  • das Tilgungsdarlehen und
  • das endfällige Darlehen.

Der Begriff Tilgungsdarlehen ist der umgangssprachliche Oberbegriff für alle Darlehensformen, bei denen über eine feste Laufzeit eine Tilgungsleistung vereinbart wird. Der Schuldendienst setzt sich hierbei zu den jeweils vereinbarten Terminen, den Tilgungsraten und den jeweils auf die Restschuld berechneten Zinsen zusammen. Grundsätzlich sind alle Kredite zurückzuzahlen, doch bei anderen Kreditarten findet die Tilgung entweder unregelmäßig (Kontokorrentkredit, Dispositionskredit, Lombardkredit, revolvierender Kredit und Stand-by-Kredit) oder in einer Summe am Ende der Laufzeit statt (sog. endfälliges Darlehen).

Man kann also ganz allgemein sagen, dass das endfällige Darlehen anders aufgebaut ist, als das Tilgungsdarlehen.

Beim Tilgungsdarlehen unterscheidet man im Allgemeinen Ratenkredite und Annuitätendarlehen. Beide Darlehensarten sind aufgrund eines Tilgungsplanes mit gleichmäßigen und regelmäßigen Tilgungsraten zurückzuzahlen. Hierzu legt der Tilgungsplan den Tilgungsrhythmus (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder (in Ausnahmefällen) jährlich sowie die Tilgungshöhe fest.

Beim Ratenkredit erfolgt die Tilgung der Hauptschuld in gleichmäßiger Höhe bei degressiv fallenden Kreditzinsen, so dass die Annuität - also die Ratenhöhe - ständig abfällt.

Das ist beim Annuitätendarlehen anders, denn hierbei bleibt die Annuität, also die Ratenhöhe, konstant. Innerhalb der Annuität sinkt hingegen der Zinsanteil und der Tilgungsanteil steigt entsprechend.

Ratenkredit
Da der Ratenkredit sich durch monatlich sinkende Annuitäten auszeichnet, entsteht im Laufe der Darlehenslaufzeit eine sinkende monatliche Belastung der Liquidität. Im Gegensatz zu einem Annuitätendarlehen wird hier nicht die monatliche Rate (bestehend aus Zins und Tilgung) vereinbart, die dann gleich bleibt, sondern die monatliche Tilgung. Zusätzlich wird auf die zu diesem Zeitpunkt bestehende Restschuld der Zins berechnet. Ein Ratenkredit ermöglicht daher in der Regel im ersten Drittel der Darlehenslaufzeit im Vergleich zum Annuitätendarlehen eine schnellere Restschuldverringerung (Tilgung), während bei einem Annuitätendarlehen der Tilgungsanteil der monatlichen Rate zum Ende der Darlehenslaufzeit immer größer wird.

Annuitätendarlehen
Bei einem Annuitätendarlehen hat der Darlehensnehmer regelmäßig eine feste Rate zu zahlen. Diese feste Rate beinhaltet Zins und Tilgung, wobei die Effektivzinsen entscheidend sind und nicht die Nominalzinsen. Durch die fortlaufende Tilgung wird der Zinsanteil an der Annuität ständig geringer, so dass der Tilgungsanteil mit zunehmender Tilgungsdauer in dem Umfang wächst, wie die Zinsen abnehmen. Die laufende Belastung der Liquidität, also die regelmäßigen Kreditraten, sind daher über die Gesamtlaufzeit gleich hoch.

Zinsbelastung und Steuern
Da bei einem Darlehen nur der Darlehenszins steuerlich geltend gemacht werden kann, der an die Bank zu zahlen ist, haben diese Darlehensformen steuerlich zur Folge, dass die Auswirkung auf den steuerbaren Gewinn im Laufe der Zeit abnehmen und folgerichtig die steuerliche Belastung im Laufe der Zeit steigt.

Endfälliges Darlehen
Bei einem endfälligen Darlehen wird nicht in Raten sondern in einer Summe am Ende der Laufzeit getilgt. Während der Laufzeit bleibt also die Kreditschuld in voller Höhe ungetilgt mit der entsprechenden Zinsbelastung bestehen.

Der wesentliche Unterschied zum Tilgungsdarlehen besteht darin, dass die monatliche Rate für eine Kapitalanlage eingesetzt werden kann, die Gewinne erbringt, welche ihrerseits steuerbegünstigt sind. Früher waren dies Lebensversicherungen. Diese sind seit 2005, mit Inkrafttreten des sog. Alterseinkünftegesetzes nur noch unter sehr begrenzten Voraussetzungen steuerbegünstigt. Nachdem der Gesetzgeber die steuerlichen Privilegierungen von Lebensversicherungen weitgehend abgeschafft hat, kommen immer häufiger andere Kapitalanlageformen in Betracht, die bestenfalls auch steuerbegünstigt sind. Hierbei zahlt der Kreditnehmer in die Kapitalanlage Prämien, die verzinslich angesammelt werden. Bei Fälligkeit des Kredites wird dann das Anlagekapital zuzüglich des durch die Anlage der Prämien erwirtschafteten Gewinnanteils ausgezahlt und mit diesem Betrag wird der Kredit getilgt. Für das anlagebasierte endfällige Darlehen ist folglich die Wahl des Anlageobjektes von maßgeblicher Bedeutung, weil der Überschuss unmittelbar zur Deckung des Kreditzinses eingesetzt wird.

Alle vorgenannten Formen des Investitionskredits haben ihre Vor- und Nachteile, insbesondere auch in steuerlicher Hinsicht. Bei Tilgungsdarlehen muss der Arzt bedenken, dass die Zinsbelastung zu Beginn besonders hoch ist und im Laufe der Zeit kontinuierlich abnimmt. Da bei einem Neubeginn die Einkunftsentwicklung des Arztes jedoch normalerweise gegenläufig ist, haben die genannten Finanzierungsformen keinen optimalen Steuerentlastungseffekt.

Besser schneidet hier das endfällige kapitalanlagebasierte Darlehen ab, da bei ihm die Zinsbelastungen gleich hoch bleiben, insgesamt allerdings höher sind als beim Annuitätendarlehen oder Tilgungsdarlehen.

Man muss also sorgfältig abwägen, für welche Form des Investitionskredites man sich entscheidet.

Zinsen sichern
In einer Hochzinsphase (über 6,5 %) kann es sinnvoll sein, eine variable Zinsvereinbarung zu treffen. Zurzeit haben wir jedoch eine Niedrigzinsphase. Der Kreditnehmer sollte also versuchen, sich den Niedrigzins zu sichern und eine Zinsfestschreibung zu vereinbaren.

Betriebsmittelkredit
Neben dem Investitionskredit wird bei der Existenzgründung in der Regel zusätzlich ein sog. Betriebsmittelkredit benötigt. Dieser stellt in der Existenzgründungsphase eine Überbrückungshilfe für die Betriebskosten dar. Es handelt sich um einen kurzfristigen Kredit für die Anlaufzeit, der in der Regel in den ersten zwei Jahren zurückgezahlt werden sollte. Auch hier folgt die Kredithöhe dem Businessplan, namentlich der Liquiditätsplanung für die Gründungsphase. Zusätzlich zu dem Investitionskredit muss der Übernehmer sich also bereits bei seiner Planung Klarheit verschaffen, welche laufenden Betriebskosten auf ihn zukommen. Das sind in der Regel Mieten und Nebenkosten, Wasser, Strom, Reinigung, Instandhaltung, Entsorgung, Personalkosten, Kreditzinsen und Leasingraten, Material- und Laborkosten, Beiträge und Versicherungen, Reparatur- und Instandhaltungskosten sowie als sonstige Positionen Fortbildungskosten, Zeitschriften, Telefon, Porto, Bürobedarf.

Öffentliche Förderungen nutzen
Wichtige Instrumente bei der Existenzgründung sind Zuschüsse und Fördermittel. Die wichtigsten Instrumente sind:
  • Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau zur Existenzgründung
  • Förderung der Bundesagentur für Arbeit zur Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit (im Anschluss an ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis)
  • Förderungen der Kassenärztlichen Vereinigung zur Sicherstellung der Versorgung in unterversorgten Gebieten
  • Zuschüsse zu den Beratungskosten seitens der Bundesagentur für Arbeit bei Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit

Daneben gibt es eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen der Bundesländer, Landkreise und Kommunen, die teilweise auch als Sachleistungen gewährt werden, z. B. in Form von vergünstigen Mietflächen oder Befreiung von Bauvorschriften.

Zusätzlich zu der Unterstützung des Finanzbedarfes bei Existenzgründung sollte an Förderprogramme gedacht werden, die sich anschließen. Hierzu gehören in erster Linie die Maßnahmen der Kassenärztlichen Vereinigungen in Form von Sicherstellungszuschlägen zum Honorar und finanzielle Anreize zur Weiterbildung oder aufgrund besonderer honorarpolitischer Zielsetzungen.

Bestand für den Arzt bis zum Zeitpunkt der Praxisneugründung ein Restanspruch auf Arbeitslosengeld, hat er unter bestimmten Voraussetzungen während der ersten sechs Monate nach Praxisgründung einen Anspruch auf einen Gründungszuschuss, den die Bundesagentur für Arbeit zur sozialen Absicherung zahlt. Der Zeitraum kann sich verlängern, wenn der Praxisgründer seine selbstständige Tätigkeit nachweist. Der Gründungszuschuss ist steuerfrei und wird auch nicht zur Ermittlung des progressiven Einkommensteuersatzes in die Berechnung einbezogen, der sog. Progressionsvorbehalt.

Zu beachten ist, dass auch eine Reihe von Bundesländern und die KfW-Bankengruppe Zuschüsse zur Gründungsberatung durch qualifizierte Berater anbieten. Ferner wird die Inanspruchnahme von Beratung auch nach erfolgter Unternehmensgründung öffentlich gefördert. Es lohnt sich daher immer, sich auch mit Förderprogrammen, beispielsweise auf dem Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, auseinanderzusetzen.


Frankfurt am Main, den 22.08.2016

Matthias Hauer
Rechtsanwalt